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Ein Beitrag der Welthungerhilfe

Als eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland kämpft die Welthungerhilfe schon seit über 50 Jahren für eine dauerhafte Lösung des Hungerproblems. Wir leisten Hilfe aus einer Hand: von der schnellen Katastrophenhilfe über den Wiederaufbau bis zu langfristigen Projekten. Wir arbeiten mit einheimischen Partnerorganisationen nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe.

Eine Frau verkauft ihre Produkte auf dem Markt in Goma/ Dem. Republik Kongo.

Dass heute noch so viele Menschen hungern müssen, liegt nicht am Mangel an Lebensmitteln, sondern am fehlenden Zugang zu Nahrung. Hunger ist in vor allem eine Folge von Armut.

Foto: Andreas Stedtler/ Welthungerhilfe

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Oktober: Ernährungssicherheit

Gemeinsame Verantwortung von Nord und Süd

Mit der Agenda für Nachhaltige Entwicklung haben sich die Regierungen aller Länder im Rahmen der Vereinten Nationen vorgenommen, bis 2030 den Hunger gänzlich zu überwinden und Ernährungssicherheit für alle zu erreichen. Die neuen Entwicklungsziele gelten für Nord und Süd gleichermaßen, das heißt, sie nehmen auch die reichen Staaten in die Pflicht dazu beizutragen, dass das Menschenrecht auf Nahrung endlich für alle Wirklichkeit wird.

Die Folgen von Hunger und Mangelernährung

Auf ausreichende und gesunde Weise satt zu werden, ist ein Menschenrecht, das in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte völkerrechtlich verankert ist. Dennoch hungern immer noch 795 Millionen Menschen. Geschätzte zwei Milliarden Menschen – das ist fast ein Drittel der Weltbevölkerung – leiden am Mangel von essentiellen Vitaminen und Mineralstoffen, dem sogenannten verborgenen Hunger.

Chronischer Hunger und Mangelernährung haben dramatische Folgen: schlecht ernährte Mütter bringen unterernährte Kinder zur Welt, deren Entwicklungschancen häufig unumkehrbar eingeschränkt sind. Im Erwachsenenalter sind sie körperlich und geistig weniger leistungsfähig und haben damit ein höheres Armutsrisiko. Täglich sterben mehr als 7000 Kinder unter fünf Jahren an den Folgen von Unter- und Mangelernährung. Menschen, insbesondere Kinder, die bereits chronisch unterernährt sind, sind in akuten Ernährungskrisen, die zum Beispiel durch Katastrophen oder bewaffnete Konflikte ausgelöst werden, besonders gefährdet.

Armut und Ausgrenzung als Ursache

Ernährungssicherheit ist dann erreicht, wenn alle Menschen zu jeder Zeit Zugang zu sicheren Lebensmitteln in ausreichender Menge und Qualität haben, um ein gesundes und aktives Leben zu führen. Darüber hinaus ist auch der Zugang zu ausreichender Sanitär- und Gesundheitsversorgung sowie zu sozialer Fürsorge entscheidend für eine gesunde Entwicklung.

Eine gesicherte Ernährung ist nicht in erster Linie eine Frage der Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln. Weltweit werden derzeit genügend Nahrungsmittel produziert, um alle Menschen ernähren zu können. Dass heute noch so viele Menschen hungern müssen, liegt also nicht am Mangel an Lebensmitteln, sondern am fehlenden Zugang zu Nahrung. Hunger ist in vor allem eine Folge von Armut. Arme Haushalte können sich ausreichende und gesunde Nahrungsmittel nicht leisten. Sie haben keinen oder nur schlechten Zugang zu Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, zur Trinkwasserversorgung und Abwassersystemen. Frauen sind dabei aufgrund ihres häufig niedrigeren gesellschaftlichen Status besonders diskriminiert.

Am stärksten von Hunger und Mangelernährung betroffen sind dem Welthunger-Index zufolge die Menschen in den Ländern Afrikas südlich der Sahara und in Südasien. Das Beispiel Indien verdeutlicht, dass auch in Ländern, die Agrarprodukte exportieren, die Ernährungslage dramatisch schlecht sein kann.

In der Regel führen in den betroffenen Ländern das Zusammenspiel von Faktoren wie schlechte Regierungsführung, Krisen und Konflikte, fehlende Sozialsysteme und vor allem die Vernachlässigung der ländlichen Räume zu Hunger und Mangelernährung. Denn bis heute leben 70 Prozent der Hungernden auf dem Land – ausgerechnet dort, wo Nahrungsmittel produziert werden. Die Mehrheit von ihnen sind Kleinbauern. Sie verfügen nicht über ausreichend Land, es fehlt ihnen an Kapital für Dünger, Maschinen oder Bewässerungssysteme, an Beratung und Informationen, zum Beispiel über Marktpreise, und sie leben in abgelegenen Regionen mit schlechtem Zugang zu Märkten.

In unserer stark globalisierten Welt tragen aber nicht nur lokale Faktoren zum Hunger bei. Die Industrienationen haben den Klimawandel ausgelöst, der armen Kleinbauern die kargen Entwicklungschancen raubt. Über Jahrzehnte hinweg haben Industrienationen ihre Landwirtschaft derart subventioniert, dass Entwicklungsländer angesichts konkurrenzlos billiger Preise keine Möglichkeit hatten, ihre eigene Landwirtschaft auf- und auszubauen. Die weltweite Nachfrage nach Agrarflächen zum Anbau von Futter- und Energiepflanzen steigt weiter. Kleine Betriebe werden zunehmend von großflächigen Vorhaben der industriellen Landwirtschaft verdrängt, die durch Steuererleichterungen begünstig werden. Gleichzeitig geht ein Drittel aller weltweit produzierten Nahrungsmittel verloren, weil sie bei der Herstellung oder beim Transport beschädigt werden oder in Lagern, Läden und Haushalten verderben.

Handlungsbedarf

Nach Schätzung der Welternährungsorganisation FAO müsste die Agrarproduktion bis 2050 um 60 Prozent gesteigert werden, um die steigende Nachfrage nach Lebensmitteln durch die dann auf neun Milliarden Menschen angewachsene Weltbevölkerung sicherstellen zu können. Ertragssteigerungen allein werden jedoch nicht ausreichen, um den Hunger zu beenden. Ressourcen, Einkommen und Bevölkerungswachstum sind weltweit ungleich verteilt. Der Zugang zu Nahrung für arme Regionen und Haushalte wird sich nur verbessern, wenn deren Einkommen steigen.

  • Armutsbekämpfung muss ein zentraler Ansatzpunkt für die Ernährungssicherung sein. Dabei sollten insbesondere Kleinbauern gefördert werden und Ihr Zugang zu Land und Saatgut geschützt werden. Darüber hinaus sind Investitionen in Bildungs-, Gesundheits- und soziale Sicherungssysteme entscheidend, um Hunger und Mangelernährung zu reduzieren.
  • Wenn die wohlhabenden Länder die nachhaltige Entwicklungsagenda ernst nehmen, müssen sie Verantwortung übernehmen und ihre Produktions- und Konsummuster nachhaltig umgestalten. So müssen zum Beispiel deutsche und europäische Politiken im Agrar-, Wirtschafts- oder Handelsbereich auf mögliche negative Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit in Entwicklungsländern überprüft werden.
  • Im Falle akuter Ernährungskrisen müssen die Regierungen ihren Verpflichtungen nachkommen und jenseits politischer Erwägungen den Menschen Hilfe zukommen lassen, die sie am meisten benötigen.

Ein Beitrag der Welthungerhilfe

Als eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland kämpft die Welthungerhilfe schon seit über 50 Jahren für eine dauerhafte Lösung des Hungerproblems. Wir leisten Hilfe aus einer Hand: Von der schnellen Katastrophenhilfe über den Wiederaufbau bis zu langfristigen Projekten. Wir arbeiten mit einheimischen Partnerorganisationen nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe.

Technische Ansätze alleine, beispielsweise durch Erhöhung der Produktivität von Kleinbauern, sowie Bildung im Bereich Ernährung sind wichtig, reichen aber nicht aus. Hunger und Armut haben heute überwiegend strukturelle Ursachen, die es durch bessere Politiken und Gesetze zu beseitigen gilt, auf globaler, nationaler und auch lokaler Ebene.

Deshalb arbeiten die Welthungerhilfe und ihre Partner auch daran, diese Politiken zugunsten der benachteiligten Menschen zu beeinflussen: vor Ort, bei den Regierungen der Partnerländern, in Deutschland und auf internationaler Ebene. Damit das Menschenrecht auf Nahrung für alle Menschen Wirklichkeit wird.

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