Ein Beitrag von Malteser International

Malteser International ist das internationale Hilfswerk des Souveränen Malteserordens für humanitäre Hilfe mit einem Schwerpunkt auf der Gesundheitsversorgung. Seit fast 60 Jahren steht Malteser International weltweit Menschen bei, die von Armut, Krankheit, Konflikten und Katastrophen betroffen sind, um ihnen ein Leben in Gesundheit und Würde zu ermöglichen.

Hilfe für Flüchtlinge und Vertriebene: Flüchtlingscamp im Nordirak. Foto: Carmen Wolf/Malteser International

Fast 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht vor Kriegen und Konflikten, Millionen sind von Naturkatastrophen oder Epidemien betroffen. Sie alle sind dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Hilfe für Flüchtlinge und Vertriebene im Nordirak.
Foto: Carmen Wolf/Malteser International

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August: Humanitäre Hilfe

Kooperationen ausbauen, Herausforderungen begegnen

Die Zahlen sind erschreckend: Fast 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht und dringend auf Hilfe angewiesen. Immer mehr Menschen geraten in bewaffneten Konflikten – ob im Südsudan, der Demokratischen Republik Kongo, in Syrien oder dem Irak – zwischen die Fronten, gleichzeitig verstärkt der Klimawandel das Risiko drohender Naturkatastrophen. Viele der Flüchtlinge konnten nur das Nötigste mitnehmen, sie müssen mit Wasser und Nahrung, Medikamenten und Haushaltsgegenständen versorgt werden und benötigen ein schützendes Dach über dem Kopf. Hier setzt die humanitäre Hilfe an, die bedarfsgerecht und schnell Menschen hilft, die auf der Flucht vor Kriegen und Konflikten oder von Naturkatastrophen oder Epidemien betroffen sind.

Eine Mammutaufgabe, vor der Politik und Hilfsorganisationen angesichts der weltweiten Flüchtlingskatastrophe stehen.

Prinzipien der humanitären Hilfe: Menschlichkeit, Neutralität, Unparteilichkeit Unabhängigkeit

Nach dem Grundsatz der Subsidiarität leisten humanitäre Hilfsorganisationen dort Hilfe, wo die Regierung des betroffenen Staates dies selbst nicht ausreichend kann oder will.

Zu den wesentlichen Akteuren der humanitären gehören die Organisationen der Vereinten Nationen wie das Flüchtlingshilfswerk UNHCR, das Kinderhilfswerk UNICEF und das Welternährungsprogramm WFP, die internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegungen sowie Nichtregierungsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen oder Malteser International. Wesentliche Geber sind beispielsweise das Amt für humanitäre Hilfe der Europäischen Union (ECHO), in den USA die Behörde USAID oder in Deutschland das Auswärtige Amt. Eine zentrale Rolle in der Organisation der weltweiten Hilfe nimmt das Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) unter Leitung des Nothilfekoordinators der Vereinten Nationen ein.

Humanitäre Hilfsorganisationen haben sich nach dem Europäischen Konsens zur Humanitären Hilfe und dem Code of Conduct des Internationalen Roten Kreutz verpflichtet, nach den Grundsätzen der Menschlichkeit, Neutralität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit zu agieren. Das bedeutet:

Menschlichkeit – Menschliches Leid muss allerorts gelindert werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt den am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Die Würde aller Opfer muss zu jeder Zeit gewahrt und geschützt werden.
Neutralität – In bewaffneten Konflikten oder anderen Kontroversen darf keiner Konfliktpartei ein Vorzug gegeben werden.
Unparteilichkeit – Humanitäre Hilfe wird ausschließlich aufgrund der Bedürftigkeit geleistet. Keine Bevölkerungsgruppe darf diskriminiert werden.
Unabhängigkeit – Das humanitäre Ziele darf nicht politischen, wirtschaftlichen, militärischen oder sonstigen Zielen untergeordnet werden.

Humanitäre Hilfe ist demnach eine Pflicht, die keinen einschränkenden Konditionen unterworfen werden darf.

Komplexe Krisen, neue Akteure

Der Zweck der humanitären Hilfe ist es, das Leiden der von Armut, Krankheit, Konflikten und Katastrophen betroffenen Menschen zu vermeiden oder zu lindern. Eine Aufgabe, die angesichts der immensen globalen Herausforderungen und gleichzeitig einhergehenden Veränderungen in der Landschaft, immer schwieriger wird.

Insbesondere drei Aspekte verändern das Umfeld, in dem humanitäre Hilfe geleistet wird, nachhaltig:
Erstens hat die Komplexität der Krisen weltweit enorm zugenommen. In vielen Konfliktregionen gibt es eine kaum durchschaubare Gemengelage von Krisentreibern, beispielsweise in Syrien, wo Regierungstruppen und mehrere Rebellengruppen in den seit 2011 andauernden Konflikt involviert sind. In einem solchen Umfeld wird es zunehmend zur Herausforderung, dauerhaft konfliktneutral zu arbeiten. Der ungehinderte Zugang zu Krisengebieten – eine Grundvoraussetzung für Hilfeleistungen – ist oftmals nicht mehr gegeben.

Zweitens verändert sich die Geberlandschaft stark, ebenso wie das Verhältnis zwischen traditionellen Geber- und Empfängerländern. Es gibt eine Reihe von neuen Akteuren, beispielsweise neue Geberländer aus dem asiatischen Raum, und nicht alle arbeiten nach den humanitären Prinzipien. Die „klassischen Einsatzländer“ hingegen, beispielsweise Staaten in Afrika, die seit vielen Jahren auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, bestimmen vermehrt selbst, wer ihnen wie in einer Krise hilft. Das traditionelle und stark westlich geprägte System der humanitären Hilfe wird dabei mehr und mehr hinterfragt, die Akzeptanz der Organisationen schwindet.

Hinzu kommt drittens, dass die Grenzen zwischen der humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit vermehrt verwischen. Das liegt unter anderem daran, dass die Hälfte der unter extremer Armut leidenden Weltbevölkerung in fragilen Staaten lebt. Die Arbeit dort ist eine Domäne der humanitären Hilfe, die Armutsreduzierung sowie Maßnahmen der entwicklungsfördernden und strukturbildenden Übergangshilfe sind jedoch klassische Aufgaben der Entwicklungspolitik. Nur wenige Hilfsorganisationen sind ausschließlich in der humanitären Hilfe tätig. Für die sogenannten multimandatierten Organisationen stellt die Einhaltung der humanitären Prinzipien entsprechend eine große Herausforderung dar.

Eine bessere Abstimmung – inhaltlich wie zeitlich – von humanitärer Hilfe und Entwicklungspolitik ist daher vor allem im Kontext gewaltsamer Konflikte dringend notwendig, um der Komplexität der Krisen und Konflikte besser zu begegnen und letztlich den notleidenden Menschen besser zu helfen.

Kooperationen und Netzwerke

Plattformen für diesen Austausch sind in Deutschland beispielsweise der Koordinierungsausschuss humanitäre Hilfe des Auswärtigen Amts, der Verband Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) oder Bündnisse der Hilfsorganisationen wie Aktion Deutschland Hilft, Bündnis Katastrophenhilfe und Bündnis Entwicklung Hilft. Auf internationaler Ebene bieten der World Humanitarian Summit (26. und 27. Mai 2016 in Istanbul), eine Initiative des UN-Generalsekretariats, die die Diskussion um drängende humanitäre Fragen voran bringen soll, sowie die NRO-Netzwerke VOICE in Brüssel und ICVA in Genf  wichtige Begegnungs- und Gesprächsmöglichkeiten. Für den medizinischen Bereich ermöglicht die World Health Organisation mit dem Global Health Cluster, einem medizinisches Netzwerk internationaler Hilfsorganisationen, den fachspezifischen Austausch. Dringende Fragestellungen, etwa der Umgang mit Epidemien, werden hier auf globaler Ebene diskutiert, um effiziente und wirksame Hilfe zu leisten.

Ein Beitrag von Malteser International

Malteser International ist das internationale Hilfswerk des Souveränen Malteserordens für humanitäre Hilfe mit einem Schwerpunkt auf der Gesundheitsversorgung. Seit fast 60 Jahren stehen wir weltweit Menschen bei, die von Armut, Krankheit, Konflikten und Katastrophen betroffen sind, um ihnen ein Leben in Gesundheit und Würde zu ermöglichen. Die christlichen Werte und humanitären Prinzipien bilden die Grundlage unserer Arbeit. In über 100 Projekten in derzeit 28 Ländern Afrikas, Amerikas, Asiens und Europas helfen wir Menschen in Not – unabhängig von ihrer Religion, Herkunft oder politischen Überzeugung. Malteser International ist unter anderem Mitglied im Koordinierungsausschuss humanitäre Hilfe des Auswärtigen Amts, im Verband Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V. (VENRO) und im medizinischen Netzwerk internationaler Hilfsorganisationen der WHO („Global Health Cluster“) sowie im Bündnis Aktion Deutschland Hilft.

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